Der erste Weinkönig im Tal

Felix Grün ist 28 Jahre alt, kommt aus St. Goar und liebt Wein. Nach dem Abi hat er zunächst Kommunikationswissenschaften studiert, jedoch nebenbei immer wieder gekellnert.

Dabei hat er seine Begeisterung für den Wein entdeckt. Er merkte, dass er gerne mit den Gästen über Wein ins Gespräch kommt. Sein Wissen wollte er dann vertiefen und mehr über Wein und alles was dazugehört lernen. Daraufhin folgten einige Seminare und viel Recherche.

Leidenschaft führt zu Großem

Seine Begeisterung für Wein hielt an. Heute sieht er Wein vor allem als Chance, als Gesprächsthema, aber auch als etwas Essenzielles und als festen Bestandteil der Region z. B. mit den zahlreichen Weinfesten und Steilhängen. Wer in der Gegend aufwächst kommt natürlich immer wieder in Berührung mit Wein, aber Felix verfolgte sein Interesse gezielt und mit Leidenschaft.

Natürlich habe ich den aus St. Goar stammenden Felix auch gefragt, welche seine Lieblingsrebsorte ist. Er antwortet ganz eindeutig: Ein schöner Riesling vom Mittelrhein geht immer. Nach Lust und Laune mal trocken mal mit etwas Restzucker. Wenn ich mich auf eine Trinkempfehlung festlegen müsste, dann wäre das ein Riesling Kabinett. Leicht, feinfruchtig mit einer lebendigen Säure. Wie ein Abend zusammen mit Freunden: Unkompliziert, aber mit Tiefe!“

Am 08.11.2024 hat sich dann einiges für Felix geändert, er wurde offiziell zur 54. Weinhoheit gewählt. Eine 22-köpfige Jury wählte Felix zum allerersten Weinkönig des Mittelrheintals. Ein ganz besonderer Moment. Mit Felix habe ich über sein Amt, die damit verbundenen Aufgaben und über seine Zukunftsvisionen für die Region gesprochen.

Die Vorbereitung auf die Wahl hat viel Zeit in Anspruch genommen. Felix hat Weingüter besucht und das gesamte Anbaugebiet bis in den Norden erkundet. Im November war es dann endlich soweit.

Wie viele andere sicherlich auch habe ich mich gefragt: Wie wird man eigentlich Weinkönig? Felix berichtet, dass eine Fachjury ihn gewählt hat. Was im ersten Moment vielleicht einfach klingt, erforderte aber viel Hintergrundwissen und Expertise.

Bei der Wahl gab es erst eine spezielle Fachbefragung über Wein und im Anschluss eine öffentliche Abendveranstaltung, bei welcher man unter anderem bei gemeinsamen Gruppenaufgaben und Weinpräsentationen mit Charme und Witz auf der Bühne überzeugen musste. Persönlichkeit spielt bei diesem Amt ebenfalls eine sehr große Rolle, erzählt er mir. Am Ende hat sich die Mühe von Felix mehr als gelohnt. Die Jury wählte ihn als ersten männlichen Vertreter des kleinsten Weinanbaugebiets Deutschlands.

Das Gefühl nach dieser Wahl ist schon ein ganz besonderes. Man bekommt das Vertrauen, nicht nur Aushängeschild, sondern Stimme einer Weinbauregion und Branche zu sein. Das macht einen sehr stolz, aber dieses Gefühl verändert sich nicht dadurch, ob man nun Mann oder Frau ist.

Familie und Freunde haben erfreut reagiert und sind sehr stolz auf die Wahl von Felix. Bei Terminen im Tal und anderswo wird Felix stets mit offenen Armen und freundlich empfangen, erzählt er mir freudig. Die Arbeit macht Felix schließlich ehrenamtlich neben seinem eigentlichen Beruf, bei dem er im Social-Media-Bereich tätig ist.

Aufgaben und Diversität

Nach der Wahl tritt Felix Grün sein Amt mit den Kolleginnen und Weinprinzessinnen Johanna Persch und Anna Weinand an. Die Drei üben die Arbeit ehrenamtlich aus. Nun ist Felix Repräsentant für das Anbaugebiet direkt am Rhein. Die Aufgaben sind sehr divers. So eröffnet er z. B. Weinfeste, steht auf Bühnen, und besucht Messen. Über all diese berichtet Felix natürlich auch auf entsprechenden Kanälen bei den Sozialen Medien. Hier könnt ihr seinen Weg begleiten. Auch wenn Felix durch seinen beruflichen Hintergrund Erfahrung in diesem Bereich hat, kostet das ganze natürlich Zeit, das Ganze aufzubereiten. Zeit die Felix sich aber gerne nimmt. Auf mich wirkt Felix in seinen Videos sehr motiviert, engagiert und wie jemand der andere gerne mit auf seinen Weg nimmt.

Er ist aber nicht nur auf Veranstaltungen zu sehen, sondern ist auch viel unterwegs für den Austausch mit der Branche, den Verbänden und Medien in der Region. Hinter dem Amt steckt auch sehr viel Organisation und Hintergrundarbeit, Aufgaben die Felix auch erst nicht direkt vermutet hat.

Bereits 2022 hat der Mittelrhein die Stelle als geschlechterneutral ausgeschrieben und zwar als erstes Anbaugebiet überhaupt in Deutschland. Die Region fungiert für mich hier definitiv als Vordenker, was Diversität der Weinmajestäten betrifft. Dass der 28-Jährige nun der erste männliche Vertreter der Weinregion sein darf, sieht er als sehr große Bereicherung. Felix geht einen neuen Weg und widerspricht den alten Rollenbildern. Die Arbeit an sich unterscheidet sich aber nicht, ist demnach ganz geschlechterunabhängig, sagt er.

Auf die Frage, was Felix an der Arbeit als Weinkönig am meisten Spaß macht hat er mir erzählt, dass er vor allem die Begegnungen mit Menschen schätzt, die sich besonders freuen, dass es ihn als den Weinkönig gibt. Das Amt verbindet also auch und beinhaltet viele Begegnungen und Kontakte.

„Das ist ein tolles Gefühl der Wertschätzung und wenn man nach so einem Termin nach Hause kommt, dann hat man absolut das Gefühl, dass man seine Zeit sinnvoll eingesetzt hat.“

Diversität spielt auch wie in so vielen anderen Bereichen auch in der Weinbranche eine sehr große Rolle. Felix zeigt, dass auch männliche Vertreter die Ämter übernehmen kann. Warum auch nicht schließlich macht das Geschlecht kein Unterschied. Zudem kommen viele Weinmajestäten aus Winzerfamilien, Felix zeigt, dass man mit viel Leidenschaft und Begeisterung für ein Thema Großes schaffen kann. Das finde ich besonders spannend, dass Felix neue Wege geht. Motivation und Engagement, welche definitiv als Vorbildfunktion fungieren können.

„Vielfalt zeigt, dass Weinbau alle angeht und dass es unterschiedliche Wege gibt, ihn zu repräsentieren. Gerade das Amt der Weinmajestät lebt von den Persönlichkeiten der Personen, die es ausüben. Deshalb ist es Jahr für Jahr so spannend für die Menschen diese Wahlen der Weinmajestäten zu verfolgen. Ich hoffe, dass ich andere motivieren kann, meinen Schritt nachzufolgen, egal ob Männer oder Frauen.“

Herausforderungen im Mittelrheintal

Der Wein im Mittelrhein ist ein ganz besonderer, es gibt nicht nur größtenteils Steilhang, sondern ist das Anbaugebiet auch das kleinste Deutschlands. Wein ist hier eine langjährige Tradition und gehört zur fest zur Kultur dazu.

„Wein ist hier nicht nur Ausdruck von Boden und Klima, sondern vor allem ein Ausdruck der Leidenschaft der Winzerinnen und Winzer und deren Einsatz für den Erhalt unserer einzigartigen Kulturlandschaft.

Felix erzählt mir, dass es auch viele Herausforderungen durch die Steilhänge im Tal gibt. Sei es z. B. der Klimawandel oder der Mangel an Fachkräften. Dies sind alles Aspekte, welche Winzer:Innen händeln müssen. Der Wein ist hier fester Bestandteil der Kulturlandschaft, erfordert aber auch viel Arbeit. Felix sieht dies aber auch als Chance für Innovation.

Er erzählt mir, dass er es besonders wichtig findet Wein und Tourismus zu verbinden und Menschen von überall für Weinbau und alles drum herum zu begeistern. Für ihn gibt es da in der Zukunft noch viele Möglichkeiten dies zu fördern.

Der eigene Weg und Zukunftsvision

Und wie geht es für Felix Grün aus St. Goar und die Leidenschaft für Wein weiter? Noch bis Ende diesen Jahres geht seine Amtszeit als Weinkönig im Mittelrheintal. Am 20.09.2025 geht es für ihn für den Mittelrhein zur Wahl zur Deutschen Weinmajestät. Ein nächster großer Schritt. Sein Weg geht also weiter und ich wünsche ihm viel Erfolg dabei!

Mit Felix habe ich auch über die Bundesgartenschau 2029 gesprochen und seine Hoffnungen auch bezüglich der Rolle des Weins dabei. Er wünscht sich, dass Wein ein fester Bestandteil wird und dieser weiterhin viele Menschen begeistert, ob im Tal oder überall.

„Ich wünsche mir, dass auch der Mittelrheinwein im Mittelpunkt der BUGA29 steht – als Kulturgut, als touristischer Magnet und als Teil unserer Identität. Wenn wir es schaffen, die Menschen dort mit unserer Begeisterung für den Mittelrheinwein anzustecken, haben wir viel erreicht.“

Ich bin gespannt, wie Wein in die BUGA29 integriert wird und welche Rolle er 2029 und auch in den Jahren davor spielen wird. Felix Grün zeigt, dass Wein viel mehr als ein Genussmittel ist. Wein verbindet, ist Kulturgut und eröffnet neue Chancen.

Ich wünsche Felix viel Erfolg auf seinem weiteren Weg und hoffe, dass viele seinem Vorbild folgen und die Branche diverser wird.

Vielen Dank Felix, dass du deine Geschichte und deine Gedanken mit uns geteilt hast!