Seit Mitte Mai darf ich das Obere Mittelrheintal nun als Bloggerin begleiten – eine Zeit voller Eindrücke, Begegnungen und spannender Geschichten. In den vergangenen Wochen habe ich das Tal aufmerksam erkundet, Projekte entdeckt und Menschen kennengelernt, die hier mit Leidenschaft wirken. Vieles davon ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Heute möchte ich euch an meinen Erfahrungen aus der ersten Hälfte meiner Bloggerzeit teilhaben lassen.

Dort bloggen, wo andere Urlaub machen
Ob am Rheinufer in Bingen, beim Wandern durch die Natur, im Café in Koblenz oder bei einer Fahrt mit dem Sessellift: überall hört man fremde Sprachen und sieht gezückte Kameras. Kein Wunder, denn es gibt hier so viel zu entdecken. Für viele ist das Obere Mittelrheintal eine echte Urlaubsregion. Und ich muss sagen, ich verstehe es nur zu gut. Die beeindruckenden Burgen und der Blick auf den Rhein ergeben einfach traumhafte Bilder.
Mit dem Beginn des Sommers und besonders in den warmen Monaten bin ich vielen Touristen begegnet. Jetzt bin ich gespannt, wie sich das Bild am Ende meiner Bloggerzeit verändert, wenn der Herbst einzieht und schließlich der Winter naht.



Natur, Natur und nochmal Natur
Im Oberen Mittelrheintal gibt es unglaublich viel Grün. Neben den von Menschen geschaffenen Weinbergen prägen auch ausgedehnte Wälder, bunte Wiesen und zahlreiche Wildblumen die Landschaft. Überall finden Insekten und andere Tiere ihren Platz. Selbst in den Städten und Orten fällt auf, wie viele Blühwiesen und liebevoll angelegte Beete es gibt.
Gerade mit Blick auf den Klimawandel ist es von großer Bedeutung, diese besondere Natur zu bewahren. Umso mehr freue ich mich über jeden Bienenkasten und jeden Blühstreifen, den ich im Tal entdecke.


Hier grüßt man sich noch
Seit ich für mein Studium in die Stadt gezogen bin, fällt mir der Unterschied besonders auf, wenn ich in einem Ort oder Dorf unterwegs bin. Hier begegnet man sich einfach anders. Schon an meinem ersten Tag in Oberwesel habe ich das gemerkt: die Menschen grüßen einander, viele kennen sich persönlich und sind gut miteinander vernetzt. Dieses Gefühl von Nähe und Gemeinschaft ist überall spürbar.
Auch mir als jemandem, der nicht aus dem jeweiligen Ort stammt, wird viel Offenheit entgegengebracht. Oft werde ich freundlich angesprochen, Menschen erzählen mir von sich und teilen kleine Geschichten aus ihrem Alltag. Gleichzeitig geben sie mir Tipps, welche Orte ich mir noch anschauen sollte oder welche Veranstaltungen lohnenswert sind. So fühlt sich jeder Besuch im Tal ein Stück weit wie ein Ankommen an.
Die Bürger hier sind ziemlich engagiert
Die Menschen im Oberen Mittelrheintal sind bemerkenswert engagiert hier im Tal. Viele kümmern sich mit Leidenschaft um ihre Heimat und setzen sich aktiv für die Region ein. Das zeigt sich in Bürgerinitiativen rund um die BUGA29, wie etwa im Schmetterlingsdorf Dörscheid, genauso wie in ehrenamtlicher Arbeit im Kunst- und Kulturbereich, etwa beim Forestival. Dieses Engagement prägt das Leben im Tal und macht es noch vielfältiger und lebendiger.
Atemberaubende Ausblicke
Wovon man hier unzählige findet, sind wirklich beeindruckende Ausblicke. Mal steht man direkt am Rhein und schaut dem Fluss beim Vorüberziehen zu, mal entdeckt man auf einem Spaziergang durch den Wald oder durch die Weinberge eine kleine Lichtung, von der sich plötzlich ein weiter Blick eröffnet. Besonders am Niederwalddenkmal habe ich das Gefühl, fast das ganze Tal überblicken zu können, mit seinen Dörfern, Burgen und den endlosen Rebenhängen. Diese Momente sind für mich etwas ganz Besonderes, weil sie nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch ein starkes Gefühl von Weite und Freiheit auslösen. Es ist, als könnte man für einen Augenblick tief durchatmen, alles hinter sich lassen und einfach nur den Rhein und die Landschaft spüren.
Einige dieser Ausblicke habe ich schon in meiner Serie SchauPlatz Rhein mit euch geteilt. Doch je mehr ich unterwegs bin, desto öfter entdecke ich neue Orte, die mich neugierig machen. Immer wieder stoße ich bei der Recherche auf Aussichtspunkte und Türme, die ich noch nicht besucht habe und die bestimmt spannende Perspektiven auf das Tal eröffnen. Es gibt hier so viele Plätze, die darauf warten, entdeckt zu werden, und ich freue mich schon darauf, weitere davon auszuprobieren und mit euch zu teilen.



Immer eine Burg in Sicht
Etwa 40 Burgen und Festungen gibt es im Oberen Mittelrheintal, und mir war schon vorher bewusst, dass ich viele von ihnen sehen werde. Doch in der Realität hat es mich dann doch überrascht, wie allgegenwärtig sie hier sind. Egal wo man sich befindet, eine Burg ist nie weit entfernt.
Schon während der Zugfahrt mit der RB10 von Wiesbaden Richtung Koblenz begegnet man einer ganzen Reihe von ihnen und kann die ein oder andere Festung direkt vom Fensterplatz aus bewundern. Dabei bietet sich während der Fahrt ein Live-Blick auf fast eine Burg pro zwei Kilometer Rheinstrecke – eine beeindruckende Anzahl historischer Bauwerke, darunter auch die berühmte Inselburg Pfalzgrafenstein. Dieses dichte Nebeneinander von Geschichte und Landschaft macht den besonderen Reiz des Tals aus und lässt einen immer wieder staunen.



Trubeliger Rheinabschnitt
Der Rhein ist hier am Mittelrhein ganz schön befahren, was ihn von anderen Rheinabschnitten in Deutschland deutlich unterscheidet. Hier ist der Fluss eine unverzichtbare Verkehrsader, über die Rohstoffe und Güter transportiert werden. Anderswo dagegen zeigt sich der Rhein von einer viel ruhigeren Seite: Dort kann man im Wasser schwimmen, paddeln oder ihn einfach als Erholungsraum erleben. Besonders bei meinem Urlaub am Bodensee wurde mir dieser Unterschied noch einmal bewusst. Im Alpenrhein, also dem Abschnitt zwischen dem Ursprung in der Schweiz und dem Bodensee, gibt es keinen regulären Schiffsverkehr, da der Fluss dort zu schmal, zu wild und nicht ausgebaut ist. So wird deutlich, wie unterschiedlich ein und derselbe Fluss wirken kann – mal pulsierend und geschäftig, mal naturbelassen und still.
Der Schiffsverkehr hat die Region über Jahrhunderte geformt und ist bis heute ein prägendes Element. Viele Städte und Dörfer am Rhein verdanken ihren Aufschwung der Lage am Wasser, und auch heute noch ist der Fluss eine wichtige Lebensader. Die vorbeiziehenden Frachter und Ausflugsschiffe gehören fest zum Alltag und machen deutlich, wie eng Natur, Geschichte und Wirtschaft hier miteinander verbunden sind. Es vergeht keine Minute am Rhein in der ich kein Schiff auf dem Rhein sehe.




Vorfreude auf 2029
Was die Zukunft betrifft, bleibt am Ende vor allem eine Beobachtung: Die große Vorfreude auf die Bundesgartenschau 2029. Die Menschen hier sind offen, neugierig und wirken dankbar dafür, dass ein so großes Ereignis direkt zu ihnen kommt. Oft spüre ich eine Mischung aus Spannung und Stolz, wenn sie von den Plänen erzählen und darüber nachdenken, wie sich das Tal dadurch verändern wird. Viele verbinden mit der BUGA nicht nur neue Projekte und frische Impulse für die Region, sondern auch die Chance, das Besondere am Oberen Mittelrheintal noch sichtbarer zu machen und miteinander zu teilen.


Und jetzt?
Das waren meine ersten Eindrücke, und schon jetzt konnte ich einiges im Tal beobachten und erleben. Mit dem nahenden Herbst verändert sich nicht nur die Natur, sondern auch das Leben entlang des Rheins, und genau das macht mich neugierig. Ich frage mich, ob dann noch genauso viele Touristinnen und Touristen hierherkommen wie im Sommer, ob die Kreuzfahrtschiffe und Ausflugsboote weiterhin so zahlreich unterwegs sein werden oder ob Ruhe einkehrt und der Fluss ein anderes Gesicht zeigt. Gleichzeitig interessiert mich, wie sich die Weinberge und Wälder verwandeln, wenn sich das Laub färbt und Nebel über dem Wasser liegt.
Noch habe ich auf all diese Fragen keine Antworten, aber gerade das macht den Reiz aus. Ich freue mich darauf, die Veränderungen mitzuerleben, neue Menschen kennenzulernen und weitere Orte zu entdecken, die mir das Tal mit jeder Begegnung ein Stück näherbringen.
