Vergangenen Monat habe ich dem Mittelrhein-Museum in Koblenz einen Besuch abgestattet. Das Museum liegt seit 2013 mitten in der Innenstadt, im modernen Forum Confluentes, und gilt mit seiner langen Geschichte und einer Sammlung von der Antike bis in die Gegenwart als eines der bedeutendsten Häuser der Region.
Schon das Gebäude selbst hat mich sehr beeindruckt. Die Architektur wirkt modern und offen, ein spannender Kontrast zu den historischen Kunstwerken im Inneren. Im Museum angekommen, stand ich vor der Wahl zwischen zwei Ausstellungen. Entschieden habe ich mich schließlich für die Sonderausstellung, die mir thematisch besonders passend zur Region erschien und über die ich im Vorfeld schon einiges gelesen hatte.


Die Ausstellung befand sich im Untergeschoss des Museums und war klar und ansprechend aufgebaut. Schon nach wenigen Schritten war ich wirklich begeistert, von der Vielfalt der Werke über den Rhein. Besonders spannend war für mich der Moment, wenn ich Orte auf den Gemälden wiedererkannte und das kam erstaunlich oft vor. So wirkte die Ausstellung nicht nur informativ, sondern auch sehr nahbar, weil viele der dargestellten Landschaften direkt mit meiner eigenen Wahrnehmung der Region verbunden sind.



Die Sonderausstellung „Too beautiful! Der englische Blick auf den Rhein“ widmete sich den Eindrücken britischer Reisender im 19. Jahrhundert. Anhand von Gemälden, Aquarellen und Karikaturen wurde gezeigt, wie die Landschaft des Rheins damals entdeckt und festgehalten wurde. Die Ausstellung führte entlang des Flusslaufs und machte deutlich, welche Faszination die Region auf Besucher aus England ausübte. Von romantischen Stimmungen bis hin zu humorvollen Darstellungen des damaligen Tourismus es gab Einiges zu entdecken.
Neben den bekannten Namen wie William Turner oder Clarkson Stanfield zeigte die Ausstellung auch Werke weniger bekannter Künstler. Gerade dieser Mix machte die Schau abwechslungsreich: Auf der einen Seite beeindruckende Gemälde und Aquarelle, auf der anderen auch humorvolle Kunstwerke und Karikaturen, die den damaligen Touristenboom am Rhein augenzwinkernd in Szene setzten. Besonders ist mir eine Karikatur in Erinnerung geblieben, welche die Burgendichte im Tal sehr gut verbildlichte. Durch die gute Mischung der Werke entstand ein lebendiges Bild davon, wie unterschiedlich der Rhein im 19. Jahrhundert wahrgenommen und künstlerisch verarbeitet wurde.


Abseits der Sonderausstellungen lohnt sich auch ein Blick in die Dauerausstellung des Mittelrhein-Museums. Hier findet man Werke, die vom Mittelalter über Barock und Romantik bis in die Moderne reichen. Besonders stark vertreten ist die Kunst des 19. Jahrhunderts, die eng mit der Rheinromantik verbunden ist und die Region international bekannt gemacht hat. Es finden sich sowohl Skulpturen als auch grafische Objekte zu den Themen Reisen und Mittelrhein im Museum, sodass die Region thematisch gut abgebildet wird.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden Arbeiten der rheinischen Malerei. Dazu gehören Landschaftsdarstellungen, Porträts und Szenen aus dem alltäglichen Leben, die einen spannenden Einblick in die Kulturgeschichte der Region geben. Wer sich für Kunsthandwerk interessiert, kommt ebenfalls auf seine Kosten: Glas, Skulpturen und kunsthandwerkliche Objekte ergänzen die Sammlung und machen deutlich, wie vielseitig das Museum aufgestellt ist.


Darüber hinaus zeigt das Museum auch regelmäßig zeitgenössische Kunst und geht damit bewusst in den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So wird der Besuch nicht nur zu einer Reise durch die Kunstgeschichte, sondern auch zu einer Entdeckung aktueller künstlerischer Positionen. Ein toller Ort für alle Kunstfans im Obere Mittelrheintal! Auch für Studierende besonders interessant, vor Ort gab es Ermäßigungen für Studierende, was ich sehr schön finde, sodass auch jungen Menschen Kunst näher gebracht wird.
Dass der Rhein Dichter, Maler und Reisende schon seit Jahrhunderten inspiriert, ist mir in der Region immer wieder begegnet. Die Ausstellung hat dieses Thema noch einmal eindrucksvoll aufgegriffen und gezeigt, wie stark gerade britische Künstler und Lyriker im 19. Jahrhundert zur Rheinbegeisterung beigetragen haben. So wurde für mich noch deutlicher, warum der Fluss bis heute als Symbol für Romantik und Inspiration gilt.



Mein Besuch im Mittelrhein-Museum hat gezeigt, wie vielseitig Kunst in der Region erlebbar ist. Als jemand, der gerne in Kunstmuseen geht, war ich im Mittelrhein-Museum wirklich gut aufgehoben.
Auch wenn die Ausstellung „Too beautiful! Der englische Blick auf den Rhein“ vorbei ist, kommen immer wieder spannende neue Werke in das Museum, bei denen es sich lohnt einen Blick in das Koblenzer Museum zu werfen. Bis Ende September gibt es z. b. eine Kabinettausstellung namens „Becoming Creature“, in welcher Luisa Heinz Skulpturen, Masken und performative Arbeiten zeigt. In den Arbeiten erforscht sie die Grenze zwischen Mensch und Nicht-Mensch und stellt Fragen nach Wandlung, Selbstwirksamkeit und dem Verhältnis zur Umwelt.
Aber auch die Dauerausstellung macht neugierig auf mehr. Für mich steht fest: Ich komme wieder und nehme mir dann Zeit, die ständige Sammlung oder auch weitere Ausstellungen ganz in Ruhe zu entdecken.
Falls ihr in Koblenz seid, schaut unbedingt vorbei und schnappt ein bisschen Kunstluft!
Infos zu den aktuellen Ausstellungen und Öffnungszeiten findet ihr stets hier.
