Eins stand von Anfang an auf meinem Plan im Oberen Mittelrheintal, und zwar der Besuch eines tollen Unterkunftskonzeptes. Das THOMI Feriengasthaus begegnet mir immer wieder, sei es bei Erzählungen oder auf Instagram. Die Geschichte und die gestalterische Umsetzung haben mein Interesse geweckt und ich wollte mehr erfahren. Thorsten und Micha laden mich Ende September zu sich nach Oberwesel in ihr Feriengasthaus ein.
15 Minuten Fußweg entfernt vom Oberweseler Bahnhof sehe ich schon von weit entfernt den Katzenturm in der Nähe des Rheins in die Höhe ragen. Nicht weit davon entfernt bin ich verabredet. Ich sehe die schöne blaue Tür schon von Weitem.

Thorsten Heyer erwartet mich schon. Er begrüßt mich freundlich und schon stehe ich im Flur des Backsteinhauses, in welchem sich die zwei und bald drei liebevoll eingerichteten Ferienapartments des Paares befinden.
Wenn eine Doku Großes lostritt
Alles hat angefangen damit, dass Thorsten und Micha sich vor ein paar Jahren den Katzenturm in Oberwesel gekauft haben. Eine ganz besondere Immobilie, für die sich die beiden 2022 begeistert haben. Und ja, das Paar wohnt in einem richtigen Turm, wie man sich ihn vorstellt. Interessant und außergewöhnlich: Das dachte sich auch die ARD. Sie haben nämlich eine Roomtour über das besondere Zuhause der beiden und das außergewöhnliche Interiordesign gedreht. Die Zuschauer waren extrem begeistert und so erhielten Thorsten und Micha auch von den Zuschauern die eine oder andere Frage, ob sie nicht mal selbst im Turm wohnen könnten oder ob sie die Immobilie nicht sogar vermieten?

Die beiden gewannen die Auszeichnung als „Haus des Jahres“ durch HGTV für ihren Katzenturm.
Dies ging natürlich nicht, schließlich ist der Oberwesler Katzenturm das Zuhause der beiden Talbewohner. Was den Menschen besonders gut gefiel, ist der tolle und detailverliebte Einrichtungsstil der beiden. Da kamen die beiden Besitzer auf eine tolle Idee: Warum nicht einfach Ferienunterkünfte einrichten und diese vermieten und somit ein bisschen Turm- und Rheinfeeling teilen?


Über Umwege zur Traumimmobilie
Auf der Suche nach einem passenden Gebäude in Oberwesel sind sie zu einer Besichtigung eines Hauses in der Nähe ihres Katzenturms gegangen. Das eigentlich besichtigte Haus sprach ihnen nicht direkt zu, aber schon während der Besichtigung fiel ihr Blick immer wieder auf das alte Backsteinhaus ein paar Häuser weiter, welches ihnen gut gefiel bzw. auch räumlich gut passen könnte.
Zum fertigen Haus in 12 Monaten
Die beiden informieren sich und erfahren, dass das Haus zum Verkauf steht, da die vorherigen Besitzer mit den Renovierungsarbeiten nicht vorankamen. Ein wahrer Glücksfall für die Eheleute Thorsten und Micha. Sie übernehmen das Haus und z. B. auch die Fenster, die glücklicherweise schon eingebaut waren.
Die beiden fangen an zu planen … Thorsten hat langjährige Erfahrung im Gestalten von Räumen. Nach seiner Tätigkeit im Finanzbereich begeistert er sich für kreative Arbeit. Er hatte mehrere Jahre ein eigenes Unternehmen für Eventdesign, bei dem das Gestalten von temporären Räumen eine große Rolle gespielt hat. Außerdem hat er danach im Hotelbereich Zimmer gestaltet. Er weiß also bei Räumlichkeiten, worauf es ankommt – trotzdem ist das natürlich etwas ganz Neues und eine große Herausforderung.
Eine Menge Arbeit, viel Planung und einige Tage auf der Baustelle liegen vor den beiden, doch sie schaffen es. Nach und nach entstehen die beiden Wohnungen und so können diese 2025 von den ersten Gästen gemietet werden.



Das Gasthaus während der Renovierungsarbeiten
Gegenseitiges Ergänzen
Natürlich benötigt ein Feriengasthaus viel Zeit und Mühe. Die beiden teilen sich die Aufgabenbereiche ein bisschen auf und machen das Ganze mit viel Freude und Leidenschaft, das merkt man. Micha ist eher der Kopf hinter der Hygiene und all dem, was mit Bewirtung zu tun hat. So hat er sich z. B. um die optimalen Matratzen für die Gästebetten gekümmert. Der Kontakt mit den Kunden und die Bewirtung machen ihm sehr viel Spaß, erzählt mir Thorsten. Er ist eher der kreative Part, der sich um das Visuelle und die Gestaltung kümmert.

Detailverliebtes Design mit Geschichte
Thorsten führt mich sowohl durch die Loreley als auch durch den Schinderhannes. Schon nach ein paar Minuten in den Räumlichkeiten merke ich, dass es überall was zu entdecken gibt. Auch viele kleine Details kommen im Gespräch immer wieder zur Sprache. Mir wird bewusst, dass hier darauf geachtet wurde, den Charakter des Hauses zu erhalten.
Bei meinem Besuch finde ich in den Apartments viele farblich perfekt abgestimmte Designklassiker wieder, aber auch einige Vintagefunde, über die Thorsten mir einiges erzählt. Ein altes Scheunentor, ein Holztisch, der Generationen begleitet, oder Funde aus dem gemeinsamen Urlaub – hier gibt es eine Menge zu entdecken. Ein paar Gegenstände kommen auch aus den eigenen Wänden des Katzenturms und haben im Feriengasthaus eine neue Bleibe gefunden. Vieles in den Räumlichkeiten haben die beiden auch speziell anfertigen lassen, wie z. B. die Tapeten oder auch die Küchen.


Die beiden entwickeln das Feriengasthaus auch stets weiter, z. B. möchten sie eine extra Aufhängemöglichkeit für nasse Jacken und Schuhe schaffen. Man merkt, dass sowohl die Loreley als auch der Schinderhannes sehr clever eingerichtet sind. Thorsten erzählt mir, dass viele Gäste ihnen rückmelden, dass sie auch noch am Abreisetag Neues entdeckt haben.




Ferienwohnung Schinderhannes
Regional, nachhaltig und ein bisschen Luxus
Auch auf Nachhaltigkeit und Regionalität achten die beiden. So gibt es z. B. extra abgepackten Kaffee aus einer Koblenzer Kaffeerösterei oder auch die regionalen Produkte beim Einkaufsservice. Aber auch Geschirr aus Porzellanrestbeständen oder eine Wärmepumpe und ein passendes Klima-/Heizsystem, um effizienter zu heizen sorgen für Nachhaltigkeit in der Unterkunft.
Das Arbeiten mit verschiedenen Themen in den Ferienwohnungen finde ich persönlich richtig klasse. Mythen, Sagen und Erzählungen wie die Loreley oder der Schinderhannes prägen das Obere Mittelrheintal. Damit verbinden Thorsten und Micha ein Stück Geschichte der Region mit modernem Design und setzen diese thematisch mit einem kleinen Augenzwinkern clever im Raum um.
Die Apartments buchen größtenteils Paare aus ganz Deutschland. Dies ist auch die Zielgruppe, für welche die beiden die Wohnungen speziell gestaltet haben. Das Feriengasthaus soll den Gästen ein bisschen Luxus in Oberwesel bieten und einen unbeschwerten Urlaub ermöglichen. So haben die beiden Vermieter z. B. einen Kühlschrank-Service, bei welchem die Gäste bei ihrer Anreise direkt mit frischen Lebensmitteln und einem vollen Kühlschrank überrascht werden. Eine innovative Idee, wie ich finde, durch welche Gäste vor allem bei kurzen Aufenthalten profitieren.





Ferienwohnung Loreley
Große Wertschätzung und Gastfreundlichkeit
Im weiteren Verlauf unseres Gesprächs wird mir bewusst, dass es für Thorsten und Micha keine anonyme Vermietung sein soll. Die beiden wollen wahre Gastfreundschaft beweisen und in den persönlichen Kontakt mit den Gästen kommen. Sie empfangen ihre Gäste deswegen immer persönlich und teilen bei der Schlüsselabgabe auch gerne mal den ein oder anderen Ausflugstipp. Wie ich finde, ein toller Kontrast zu den teils anonymen Self-Check-in-Stationen in vielen Unterkünften heutzutage.
Thorsten erzählt mir von einer Anekdote bei einer Vermietung: Sie zeigten einem angereisten Paar den Balkon der Schinderhannes-Wohnung und empfahlen, dort ein Glas Wein zu trinken. Das Paar hatte den Wein jedoch zu Hause vergessen. Also ging Micha schnell in den benachbarten Katzenturm und holte eine Flasche für die beiden, damit sie ihren ersten Abend in Oberwesel genießen konnten. Momente, in denen diese Nähe einfach von großem Vorteil ist, freut sich Thorsten.
Auch über Feedback und Rückmeldungen freuen sich die beiden sehr. Schließlich haben sie selbst noch nicht in den Unterkünften gewohnt und sind immer gespannt, wie es den Gästen gefallen hat. Die Bewertungen sind sehr positiv, was die beiden in ihrem Konzept bestätigt und Lust auf mehr macht.


Tourismus, BUGA29 und eine weitere Ferienwohnung
Momentan arbeitet das Paar an einer weiteren Wohnung im Dachgeschoss, welche sogar eine Sauna haben soll. Hierbei sollen besonders schöne Winteraufenthalte garantiert werden. Schon jetzt haben Thorsten und Micha eine Menge gelernt und sind froh, diesen Weg gegangen zu sein.
In die touristischen Entwicklungen im Tal stecken sie viel Hoffnung. Thorsten und ich unterhalten uns über verschiedene Möglichkeiten und Orte, die für Touristen hier interessant sind. Wir kommen auf die zahlreichen Museen wie z. B. das Thonetmuseum in Boppard, aber auch auf Aktivitäten wie Radfahren oder Wandern in der Natur, und stellen dabei mal wieder fest, dass die Region eine Menge zu bieten hat.
Im Tal und in Ortschaften wie Oberwesel sind viele ältere Menschen vertreten und Generationen führen Ferienunterkünfte oder Ähnliches nicht weiter und bleiben in der Zeit stehen, sind spärlich eingerichtet und nichts für junge, stilbewusste Leute. Bei THOMI ist das anders: Sie sprechen genau diese Zielgruppe an.
Manchmal führen diese alten Ansichten auch dazu, dass sich im Tal nichts bewegt. Der ehemalige Eventdesigner erzählt mir davon, dass es nicht so einfach ist, etwas zu verändern. Damals bei der Suche nach einem passenden Ort zum Arbeiten musste er auch lange suchen, obwohl es so viele Leerstände gibt. Heute hat er ein Büro direkt im Oberwesler Zentrum.
Besonders dieser Leerstand bereitet ihm Sorgen und da sieht er dringenden Handlungsbedarf im gesamten Tal. Wir unterhalten uns weiter über dieses Thema und merken, dass es grundsätzlich gute Ansätze gibt, welche aber vermutlich leider in der Umsetzung oder an der Bürokratie scheitern.
Viele Menschen im Tal leben zu sehr in der Rheinromantik, erzählt Thorsten mir. Er ist der Meinung, dass das Obere Mittelrheintal und die Ortschaften neue Konzepte und Ideen brauchen. Frischen Wind und junge, kreative Köpfe, die andere Wege gehen und Neues wagen. Als gutes, bereicherndes Paradebeispiel nennt er das Krönchen in Oberwesel.
Thorsten erzählt mir, dass die beiden zusätzlich zu den Wohnungen noch für die Region werben müssen, da viele diese gar nicht kennen bzw. das, was sie zu bieten hat. Schließlich sollen die Gäste ihren Weg nach Oberwesel finden und die wunderschöne Gegend entdecken. In anderen Gebieten in Deutschland wäre dies nicht nötig, da kommen die Touristen in Strömen, berichtet Thorsten. Sie wollen den Gästen zeigen, dass hier zu allen Jahreszeiten eine Menge möglich ist.
Thorsten und Micha sind gut im Tal vernetzt, das merkt man. Das ist mir hier schon öfter aufgefallen: Die Leute kennen sich untereinander, wissen, was bei dem anderen im Leben passiert, und unterstützen sich auch gegenseitig bei Projekten. Eine schöne Eigenschaft und definitiv eine Stärke der Region, die vieles bewirken kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
Durch die vergangenen Bundesgartenschauen haben die entsprechenden Regionen bisher nur profitiert, erläutert Thorsten. Er erzählt mir davon, dass er die Landesgartenschau in Bingen als nachhaltig prägend erlebt. Der Wasserspielplatz für die Kleinen, der Skatebereich für die Jugend, aber auch die tolle Rheinpromenade für die Älteren – solche Rundum-Konzepte gefallen dem Oberwesler. Diese Bereicherungen erhofft er sich auch von der kommenden BUGA29. Thorsten berichtet mir, dass er gespannt auf die Veränderungen durch die Bundesgartenschau ist und hofft, dass aber auch allgemein frischer Wind in das Tal kommt, der nachhaltig anhält.
Die THOMI Ferienunterkünfte zeigen für mich, dass es neue und frische Übernachtungsmöglichkeiten braucht, die junge Leute in das Tal ziehen. Zudem sorgen die beiden für ein tolles Gesamtkonzept, welches innovativ ist und kleine Städte wie Oberwesel sehr bereichert. Außerdem finde ich den Mut, das Durchhaltevermögen, das Teamwork und zuletzt die ausgeprägte Kreativität der beiden bewundernswert. Solche Ideen und solch eine Motivation sollten definitiv inspirieren und hoffentlich folgt ein entsprechender Wandel im Tal und im dortigen Tourismus.
Wenn ihr mehr über das THOMI Feriengasthaus erfahren wollt, schaut gerne auf dem Instagram-Account der beiden vorbei oder auch hier.
